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Love-Scamming erkennen: So läuft Liebesbetrug ab

Love-Scamming, auch Romance-Scamming genannt, ist Betrug mit vorgetäuschter Liebe: Jemand baut online über Wochen oder Monate eine Beziehung zu dir auf und bittet dann um Geld. Du erkennst es an einem wiederkehrenden Ablauf: sehr viel Gefühl in kurzer Zeit, ein schneller Wechsel in einen privaten Messenger, nie ein echtes Treffen und schließlich eine Notlage oder ein angeblich sicheres Investment. Die wichtigste Regel ist einfach: Schick niemandem Geld, den du nicht persönlich getroffen hast.

So läuft Love-Scamming ab

Die Geschichten unterscheiden sich, das Drehbuch kaum. Polizei, Verbraucherschützer und Finanzaufsicht in Deutschland, Österreich und der Schweiz beschreiben dieselben Phasen.

1. Der Kontakt

Alles beginnt mit einem attraktiven Profil auf einer Dating-App, auf Instagram oder Facebook. Die Fotos sind gestohlen oder inszeniert, der Beruf erklärt, warum die Person weit weg ist. Die Polizei nennt Ingenieure, Ärztinnen und US-Soldaten (Polizei-Beratung), die Schweizerische Kriminalprävention etwa den angeblichen kanadischen Topmanager (SKP).

2. Love-Bombing

Dann kommt die Flut: lange Nachrichten jeden Tag, frühe Liebeserklärungen, Heiratspläne, Anreden wie „mein Ehemann“ oder „meine Ehefrau“, obwohl ihr euch nie gesehen habt. Gleichzeitig viele Fragen zu deinem Leben, deiner Familie, deinen Finanzen. Was Love-Bombing auch außerhalb von Betrug bedeutet, erklären wir in Breadcrumbing, Love-Bombing und Ghosting.

3. Weg von der App

Nach kurzer Zeit soll es auf WhatsApp, Telegram oder Skype weitergehen. Die SKP beschreibt diesen Wechsel als typisch. In privaten Chats gibt es keine Moderation, und das ursprüngliche Profil kann spurlos verschwinden.

4. Die Notlage oder das Investment

Kurz vor dem geplanten Treffen passiert etwas: ein Unfall, ein Krankenhaus, gestohlene Papiere, ein fehlendes Flugticket, Gebühren für ein Visum. Manchmal bestätigen angebliche Ärzte, Polizisten oder Verwandte die Geschichte (Verbraucherzentrale).

Die zweite Variante ist subtiler: Es geht nicht um Hilfe, sondern um eine Geldanlage. Die österreichische Finanzmarktaufsicht beschreibt, dass die Täter die angeblich lukrative Anlage oft gar nicht selbst anpreisen, sondern den Kontakt zu einem freundlichen „Anlageberater“ herstellen, häufig angeblich ein Verwandter (FMA). So fällt die Verbindung zwischen Liebe und Betrug noch schwerer auf.

5. Die Geldforderung

Bezahlt werden soll per Überweisung, über Bargeld-Transferdienste wie Western Union oder MoneyGram, mit Gutscheinkarten oder in Kryptowährung. Die Polizei nennt Forderungen nach Gutscheinen oder Geld, besonders in Kryptowährung, als Warnzeichen (Polizei-Beratung). Die Beträge sind anfangs oft klein und steigen dann.

6. Der Druck

Zahlst du zögerlich, wird es emotional. Die Polizei nennt als Beispiel für diesen Druck den Satz „Du bist meine letzte Hoffnung“. Es gibt auch Selbstmorddrohungen, Liebesentzug oder Erpressung mit intimen Bildern. Das Treffen findet nie statt. Wer nicht mehr zahlt, verliert meist einfach den Kontakt.

Krypto-Anlagebetrug mit Gefühl

Bei dieser Masche zahlst du auf eine Website oder App ein, die dir dein Gegenüber oder sein „Berater“ empfiehlt, und siehst dort scheinbar wachsende Gewinne. Laut FMA werden dabei häufig Handelsplattformen beworben, die gar keine Erlaubnis für ihre Dienste haben.

Prüf jede Plattform, bevor du einen Cent einzahlst: in Deutschland in der Unternehmensdatenbank der BaFin, in Österreich in der Unternehmensdatenbank der FMA. Und frag dich, warum dir eine Online-Bekanntschaft nach wenigen Wochen Anlagetipps gibt. Die FMA warnt: Ist Geld einmal auf einem fremden Konto oder ein Krypto-Asset auf einer fremden Wallet, gibt es wenig bis keine Chance, es zurückzubekommen.

Gutscheinkarten und Überweisungen

Gutscheincodes von Google Play, Apple oder Paysafecard sind für Betrüger wie Bargeld: Wer den Code hat, hat das Guthaben. Niemand, der es ehrlich mit dir meint, will mit Gutscheinkarten bezahlt werden.

Auch eine Überweisung lässt sich nicht einfach zurückholen. Laut Verbraucherzentrale hilft nach einer ausgeführten Überweisung allenfalls ein sehr schneller Anruf bei der Bank. Gib außerdem nie dein Konto für fremde Zahlungen her und leite keine Pakete weiter. Die SKP warnt, dass du dich mit einem zur Verfügung gestellten Konto selbst wegen Geldwäsche strafbar machen kannst.

Die eine Regel

Die Polizei in Deutschland sagt es ohne Einschränkung: Überweise niemals Geld an Personen, die du nie persönlich getroffen hast. Die Schweizer Kampagne bringt es auf den Satz „Kein Geld an Internetbekanntschaften“ (SKP-Medienmitteilung).

Die Regel gilt auch dann, wenn die Geschichte herzzerreißend ist, wenn ihr schon telefoniert habt und wenn es „nur dieses eine Mal“ ist. Auch ein Videoanruf ist kein sicherer Beweis, denn die FMA warnt vor Deepfakes, bei denen Gesicht und Stimme in Anrufen und Videos digital verändert werden.

Bist du unsicher, ob ein Chat noch normal ist, kann dir Mirabus Chat-Analyse eine zweite Meinung geben: Sie liest deine Chat-Screenshots auf vage Pläne, Ausweichen, Love-Bombing und langsamer werdende Antworten. Das Ergebnis ist ein Signal, kein Urteil. Ob ein Profilbild geklaut ist, prüfst du kostenlos mit einer Bilder-Rückwärtssuche.

Wenn du schon gezahlt hast

  1. Hör auf zu zahlen. Auch wenn neue Forderungen kommen, die das bisherige Geld angeblich „retten“.
  2. Ruf sofort deine Bank an. Frag, ob sich die Zahlung noch stoppen lässt. Hast du Karten- oder Online-Banking-Daten herausgegeben, lass sie sperren, in Deutschland rund um die Uhr über den Sperr-Notruf 116 116.
  3. Sichere Beweise. Chats, Profilnamen, Telefonnummern, Kontodaten, Wallet-Adressen, Überweisungsbelege.
  4. Erstatte Anzeige. In Deutschland bei jeder Polizeidienststelle oder über die Onlinewache, in Österreich und der Schweiz bei der Polizei. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass eine Anzeige dich auch vor dem Vorwurf schützt, dein Konto sei für Geldwäsche genutzt worden.
  5. Brich den Kontakt ab. Blockiere die Person auf allen Kanälen und melde das Profil der Plattform.
  6. Hol dir Unterstützung. In Deutschland hilft das Opfer-Telefon des Weissen Rings unter 116 006, kostenlos und anonym, in Österreich der Opfer-Notruf des Weissen Rings unter 0800 112 112. In der Schweiz erreichst du die Opferhilfe unter 142.

Vorsicht vor „Recovery“-Betrug

Nach dem ersten Betrug melden sich oft angebliche Anwälte, Betrugsexperten, Detektive oder sogar „Interpol“ und versprechen, dein Geld zurückzuholen, gegen eine Gebühr vorab. Das ist der zweite Betrug. Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg warnte im Juli 2026 vor solchen Angeboten, nachdem rund 50 gefälschte Websites abgeschaltet wurden (Stuttgarter Zeitung). Auch Watchlist Internet stellt klar, dass solche Rückhol-Angebote Betrug sind (Watchlist Internet). Zahl nie Geld, um Geld zurückzubekommen.

Fragen und Antworten

Beweist ein Videoanruf, dass die Person echt ist?

Nein. Er ist ein Hinweis, aber kein Beweis, denn Deepfakes können Gesicht und Stimme verändern. Entscheidend bleibt: Wer Geld will, bekommt keins.

Bekomme ich mein Geld zurück?

Das ist oft schwer. Je schneller du deine Bank anrufst und Anzeige erstattest, desto besser stehen die Chancen. Versprechen von Dritten, die gegen Vorkasse alles zurückholen wollen, sind ein Warnsignal.

Ich schäme mich. Soll ich trotzdem zur Polizei gehen?

Ja. Die SKP schreibt, dass viele Betroffene aus Scham keine Anzeige erstatten, und ruft ausdrücklich dazu auf, den Betrug zu melden. Die Täter arbeiten professionell, und reinfallen kann jeder.

Wie helfe ich jemandem, der betroffen ist?

Ohne Vorwürfe. Zeig Informationen wie diese, frag nach den Fakten statt nach Gefühlen und ermutige die Person, zur Polizei zu gehen.

Quellen

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